Intuition ist nicht alles

Zwischen Bauchgefühl und Datenberg

Warum wir in Zukunft nicht nur mehr wissen, sondern auch besser entscheiden werden

Mit der Intuition ist es ja so eine Sache. Sie hat uns durchs Leben gebracht, lange bevor es Google, Chat GPT, GPS und Gantt-Diagramme gab. Und wenn wir ehrlich sind: Sie funktioniert erstaunlich gut.  

Intuition klingt oft nach „irgendwie weiß ich’s halt“. Aber tatsächlich lässt sich ihre Wirksamkeit erstaunlich gut erforschen – und sogar messen. Eine der bekanntesten Studien dazu stammt vom Psychologen Gary Klein, der die Entscheidungsfindung bei Feuerwehrleuten untersuchte. Sein Ergebnis: In kritischen Situationen treffen erfahrene Einsatzkräfte oft blitzschnell die richtige Entscheidung, ohne bewusst analysiert zu haben – und liegen damit fast immer richtig. Ihr Geheimnis? Kein Zauber, sondern ein riesiger mentaler Erfahrungsschatz, der im Hintergrund arbeitet.

(Quelle Klein, G. A., Calderwood, R., & Clinton-Cirocco, A. (1986). Rapid Decision Making on the Fire Ground. Proceedings of the Human Factors Society Annual Meeting, 30(6), 576–580; ) 

Spannend auch: In einem Experiment an der Universität Iowa (Bechara et al.) mussten Testpersonen aus Kartenspielen Risiken ableiten – und ihr Körper (gemessen über Hautleitwert) reagierte auf schlechte Entscheidungen, noch bevor sie bewusst als solche erkannt wurden. Heißt im Klartext: Unser Bauch hat manchmal einen Informationsvorsprung vor dem Kopf.

(QUELLE Bechara, A., Damasio, A. R., Damasio, H., & Anderson, S. W. (1994). Insensitivity to future consequences following damage to human prefrontal cortex. Cognition, 50(1-3), 7–15;) 

Es war einmal ein Bauchgefühl

Wer seit zwanzig Jahren auf der Baustelle steht, merkt oft sofort, wenn etwas nicht rund läuft. Vielleicht greift die die gesetzte Maßnahme nicht richtig. Vielleicht verschwindet das Injektionsmaterial irgendwo im Baugrund. Erfahrung schärft den Blick. Das Bauchgefühl schlägt Alarm. 

Aber: Es bleibt eben ein Gefühl. Und das hat keine Zoomfunktion. Keine Trendlinie. Keine Langzeit-Auswertung. Es kann nicht zurückspulen und nicht vergleichen, was vor drei Wochen anders war. Wenn plötzlich drei Parameter gleichzeitig aus dem Rahmen fallen – dann reicht Bauchgefühl nicht mehr. Dann braucht’s Daten. Und zwar solche, die nicht nur da sind, sondern auch sagen, was zu tun ist. 

Erkennen, handeln, besser entscheiden

Actionable Analytics helfen genau dabei. Sie machen aus Daten Handlungsempfehlungen. Zeigen, wo’s hakt. Und liefern objektive Entscheidungsgrundlagen – schnell, verständlich, und mitten im Prozess. 

Dabei geht’s nicht darum, die Intuition zu ersetzen. Sondern sie zu ergänzen. Denn wie Studien zeigen, ist unsere Wahrnehmung in vertrauten Situationen oft erstaunlich treffsicher – aber eben nicht unfehlbar. Und wenn sich der Grundwasserspiegel plötzlich ganz anders verhält als geplant, ist ein bisschen Unterstützung aus dem System oft Gold wert. 

Zwischen Buzzword und Baustelle

actionable analytics

Der Begriff klingt wie direkt aus einem Buzzword-Kalender gerissen (neben „synergiebasiert“ und „metaversifiziert“). Aber er steht für etwas ziemlich Sinnvolles: Daten, die nicht nur informieren, sondern konkrete Entscheidungen ermöglichen. 

Im Klartext heißt das: Keine 80-seitige PDF mit 723 Charts und einem kryptischen Farbschema, sondern: eine klare Handlungsanweisung.

Ein bisschen wie der Unterschied zwischen einem Wetterbericht mit Luftdruckkurven und der simplen Frage: „Regenjacke – ja oder nein?“ 

Von der
Datenflut zur Entscheidungshilfe

Zwischen „wir haben alle Daten“ und „wir wissen, was wir tun sollen“ liegt ein weiter Weg. Damit aus Zahlen tatsächlich handlungsrelevante Erkenntnisse werden, braucht es mehrere Analyseebenen – die sich gegenseitig ergänzen: 

Diese vier Fragen stehen nicht in einer fixen Reihenfolge – sie bilden vielmehr das Gerüst für sinnvolle Entscheidungsfindung. Wer in der Lage ist, diese Ebenen mit digitalen Tools zu verknüpfen, kann schneller und fundierter reagieren. 

Genau hier entwickelt sich SCALES Schritt für Schritt weiter. Noch nicht alles ist automatisiert, nicht alles passiert auf Knopfdruck – aber mit jedem neuen Feature, jeder neuen Visualisierung, jeder Alarmfunktion und jeder klaren Datenstruktur wächst der Handlungsspielraum. Aus Daten werden Entscheidungen. Und aus Entscheidungen wird Fortschritt. Mehr zum aktuellen Stand?

Siehe: Legoana bringt Ordnung ins Datenchaos 

Wie funktionier das in SCALES konkret?

Ein Praxisbeispiel

Digitalisierung trifft Intuition

Bauchgefühl mit Backup

Intuition und Datenanalyse sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Sie können sich wunderbar ergänzen. Während die Intuition schnell Muster erkennt, hilft die Analyse, sie einzuordnen. Während Bauchgefühl sagt „Da stimmt was nicht“, zeigt Analytics: „Hier ist es, und so lösen wir’s.“ 

Was heißt das konkret für den Spezialtiefbau?

  • Mehr Sicherheit – Frühwarnsysteme erkennen Auffälligkeiten, noch bevor sie zum Problem werden. 
  • Weniger Nacharbeit – weil wir nicht nur dokumentieren, sondern verstehen, was passiert. Und das in Echtzeit, sodass rechtzeitig gegengesteuert werden kann. 
  • Bessere Entscheidungen – weil die Daten nicht in Schubladen verstauben, sondern sichtbar, greifbar und nutzbar sind. 
  • Vereinfachte Kommunikation – weil man Baugefühl schwer teilen kann. Im Gegensatz zu einer soliden Auswertung. Und wenn die dann noch für alle Beteiligten online zur Verfügung steht, muss man auch nicht länger „Stille Post“ spielen 
  • Effizientere Prozesse – weil es einfacher ist, Zusammenhänge zu erkennen – etwa zwischen Verbrauch, Untergrund und Ausführung. 

Kurz gesagt:

Wer auf eine saubere Datenbasis und nachvollziehbare Analyse zurückgreifen kann, muss nicht mehr mit Bauchgefühl allein argumentieren – sondern kann fundiert argumentieren. Das bringt mehr Klarheit im Team, stärkt die eigene Position und macht Diskussionen deutlich entspannter. 

Zukunftsmusik?

Natürlich ist der Weg zu echten, vollautomatisierten, „intelligenten“ Actionable Analytics noch nicht ganz geschafft. Aber der Kurs ist gesetzt. Und mit SCALES als Werkzeugkiste für alles, was auf der Baustelle Daten produziert, legen wir den Grundstein dafür. 

Denn das Ziel ist klar: Weniger raten, mehr wissen. Weniger Bauchschmerzen, mehr Bauchgefühl – gestützt durch Daten.