VON DATENTRÄUMEN UND WIRKLICHKEIT 

Love me Tender

Der morgendliche Blick ins Postfach lässt Freude aufkommen: da gibt es eine neue spannende Ausschreibung. Die Rahmenbedingungen klingen relevant, die Freude wächst. Doch dann, der Blick ins Leistungsverzeichnis und die Stimmung sinkt tiefer, als es die geforderten Tiefbauarbeiten tun werden. “Datenmanagement“, “BIM-System“ undOnline Plattform“? 

Ähm. Ja. Klingt wahnsinnig zeitgemäß – aber was genau ist denn jetzt eigentlich gefordert? Was soll das bringen? Und wer kann mir diese Technik liefern? 

Spoiler: wir können das meistens ziemlich gut. Aber der Reihe nach. 

Zwischen Wunschzettel und Wirklichkeit

Ausschreibungen und besonders Leistungsverzeichnisse sind, wenn man ehrlich ist, eine ganz eigene Textsorte. Irgendwo zwischen einer Einkaufsliste und dem Brief ans Christkind versteckt sich zwischen einer langen Aufzählung nicht nur jede Menge Interpretationsspielraum – sondern meistens auch ein ganz konkreter, tieferliegender Wunsch. Nur leider ist der nicht immer so klar zu erkennen. 

Denn was genau bedeutet z.B. digital“? Reicht es, einen Handzettel zu scannen und digital abzuspeichern? 
Was muss ein „zentrales System für alle Projektbeteiligten“ leisten – zentral, lokal auf der Baustelle auf der Festplatte des Bauleiters? In einer zentralen Cloudlösung? 

Die einzelnen Begriffe sind so einheitlich definiert, wie „das“ Rezept für Geburtstagskuchen (und wie groß ist eigentlich dieser ominöse „Becher“ mit dem man Zutaten abmessen soll?). Unterschiedliche Stellen verwenden unterschiedliche Begriffe für ein und dasselbe Konzept. Oder noch besser: denselben Begriff für völlig unterschiedliche Lösungen. Verwirrung und Unsicherheit sind da vorprogrammiert. 

Eine detaillierte Übersicht typischer Formulierungen im Leistungsverzeichnis und was dahinter steht haben wir hier zusammengestellt:

Die Wurzel aller Wünsche

Bevor man also darüber nachdenkt, welches System passen könnte, sollte man sich eine andere Frage stellen: Was will die ausschreibende Stelle eigentlich erreichen? 

Geht es rein um eine dauerhafte digitale Datenspeicherung, z.B. aus bürokratischen Vorgaben heraus? Dann reicht es vermutlich, diverse Berichte und Protokolle in PDF-Form zu speichern und zu Projektende (oder in den gewünschten Intervallen) zu Verfügung zu stellen. 

Oder besteht beim Bauherren das Bedürfnis, dass die Beteiligten jederzeit und möglichst aktuell auf dieselben Informationen zugreifen können – egal ob auf der Baustelle oder im Büro? Beispielsweise, weil kritische Zustände zeitnah kontrolliert werden sollen? Dann sprechen wir über ein zentrales, webbasiertes System, das möglichst Rollen, Zugriff und Datensicherheit sauber regelt. Eine einfache digitale Datenablage wird diese Anforderungen nicht erfüllen können. 

Soll es über einfache Informationsbereitstellung hinausgehen und auch automatische Analysen und Auswertungen erfolgen, um die Beteiligten bei der Entscheidungsfindung in kritischen Situationen zu unterstützen? Beispielsweise bei der Echtzeit-Überwachung von Setzungen im bebauten Gebiet, wo am besten auch noch automatische Alarmierungen mit dabei sind? 

Wenn man diesen Bedarf verstanden hat, lässt sich meist besser beantworten, welche Werkzeuge geeignet sind, sie zu erfüllen. 

(Und ja, mit eguana SCALES lässt sich auch eine einfache, digitale Datenspeicherung erfüllen. Man kann das System auch nutzen, um einfach nur Fotos und PDFs abzulegen. Aber das wär vielleicht ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Ich muss ja auch nicht gleich die Schlagbohrmaschine auspacken, um meine neue Pinwand zu montieren. Außer ich habe blöde Stahlbeton-Wände. Oder ich verwende gern meine Schlagbohrmaschine. Aber das ist eine andere Geschichte …)  

Ein kleiner Schummelzettel

Philipp, unser Geschäftsführer, bringt es so auf den Punkt: 

„Die meisten wollen eigentlich dasselbe – eine zentrale, funktionierende Lösung für ihre Projektdaten. Sie wissen nur oft nicht, wie sie das beschreiben sollen.“

Grundsätzlich gibt es drei Herangehensweisen, wie ich meine Projektdaten digital verwalten kann. 

Manuelle Datensammlung

Dabei geht es um überwiegend händische Dokumentation, wie klassische Handzettel-Scans oder auch die Dokumentation mittels Tabellenkalkulation. Diese Methode wird häufig eingesetzt, wenn nur wenige Daten anfallen und keine laufende Auswertung erforderlich ist. 

Tabellen sind ein guter Start – solange es um einfache Dokumentation geht. Aber sobald sich jemand fragt: Woher kommt dieser Grenzwert? Oder: Wer hat wann welche Änderung eingepflegt?, braucht es mehr als ein Tabellenblatt. 

Sie eignet sich für einfache Dokumentationsaufgaben, nicht jedoch für Monitoring. Sobald Anforderungen wie automatische Aufzeichnung, kontinuierliche Datenerfassung oder Nachvollziehbarkeit gefordert werden, ist dieser Ansatz nicht ausreichend. 

Genau hier setzt eguana SCALES an: Mit lückenloser Datenhistorie, zentralem Zugriff und nachvollziehbarer Automatisierung – für alle, die Daten nicht nur als administrative Aufgabe sondern als Steuerungselement verstehen. 

Gerätesoftware (Herstellerlösungen)

Gerätesoftware wirkt auf den ersten Blick wie ein großer Schritt nach vorne. Die Daten kommen direkt aus der Maschine, Diagramme entstehen automatisch, erste Grenzwerte lassen sich überwachen. Für einzelne Geräte und klar abgegrenzte Aufgaben funktioniert das sehr gut. 

Die Grenzen zeigen sich allerdings schnell, sobald ein Projekt komplexer wird. Spätestens dann, wenn mehrere Geräte im Einsatz sind, unterschiedliche Hersteller beteiligt sind oder Daten gemeinsam interpretiert werden sollen. Denn jede Gerätesoftware erzählt nur die Geschichte ihres Systems – nicht die des gesamten Projekts.

Was fehlt, ist der Zusammenhang:

Wie verhalten sich Injektionsdaten zur Setzungsmessung? 

Wie passen Bohrverläufe, Wasserstände und Alarmierungen zeitlich zusammen? 

Und wie lassen sich diese Informationen für alle Beteiligten einheitlich und nachvollziehbar bereitstellen? 

Sobald Ausschreibungen zentrale Verfügbarkeit, herstellerübergreifende Auswertung, konsistente Dokumentation oder kontinuierliches Monitoring verlangen, braucht es eine Ebene darüber. Eine Plattform, die unterschiedliche Datenzusammenführt, einordnet und für Entscheidungen nutzbar macht. 

Generische IoT- oder Cloud-Lösungen

Generische IoT‑ oder Cloud‑Plattformen wirken zunächst wie die elegante Antwort auf viele Anforderungen. Daten lassen sich automatisch übertragen, zentral speichern und sind von überall abrufbar. Technisch gesehen ist damit vieles möglich. 

Das Problem liegt selten im Transport der Daten, sondern in dem, was danach passiert. Diese Plattformen wissen oft nicht, was sie da eigentlich speichern. Ein Zeitstempel ist ein Zeitstempel – ob er zu einer Setzungsmessung, einer Injektion oder einer Bohrung gehört, spielt für das System keine Rolle. Fachliche Zusammenhänge, Normlogiken oder projektspezifische Regeln müssen mühsam extern definiert werden. 

In der Praxis bedeutet das:

Viel Konfigurationsaufwand, viele individuelle Workarounds und eine hohe Abhängigkeit von Personen, die sowohl die Technik als auch die Fachdomäne verstehen. Änderungen im Projektverlauf – neue Messpunkte, andere Grenzwerte, zusätzliche Gewerke – werden schnell komplex und fehleranfällig. 

Für einfache Datensammlungen oder Pilotprojekte kann dieser Ansatz funktionieren. Sobald jedoch Ausschreibungen nachvollziehbare Dokumentation, normgerechte Auswertung, Vergleichbarkeit über Zeit oder eine gemeinsame Datensicht für unterschiedliche Rollen verlangen, stoßen generische Plattformen an ihre Grenzen. Nicht, weil sie zu wenig können – sondern weil sie zu wenig wissen, wie Bau- und Geotechnikprojekte funktionieren. 

Was hier fehlt, ist die fachliche Logik. Eine Struktur, die versteht, welche Daten zusammengehören, wie sie interpretiert werden müssen und welche Aussagekraft sie im Projektkontext haben. Ohne diese Ebene bleibt viel Technik – aber wenig Orientierung. 

Spezialisierte Branchensoftware
für Baudatenmonitoring

Damit es keine Missverständnisse gibt: hier sind wir zuhause. eguana SCALES ist eine hochspezialisierte Software, die speziell für die komplexen Anforderungen an Datenmanagement im Spezialtiefbau und Tunnelbau entwickelt wurde. 

Generell ist spezialisierte Branchensoftware ist genau für die Anforderungen entwickelt, wie sie in Ausschreibungen häufig zu finden sind: automatische Datenerfassung, kontinuierliche Aufzeichnung, Echtzeit-Monitoring, zentrale Auswertung, normkonforme Dokumentation. 

Immer dann, wenn Ausschreibungen diese Anforderungen kombinieren, ist eine spezialisierte Monitoring- und Auswertungsplattform technisch erforderlich und damit eguana SCALES die richtige Lösung. 

Der Blick aufs Ganze

In der Praxis entsteht Unsicherheit selten durch einzelne Begriffe, sondern durch ihre Kombination. Solange Anforderungen isoliert auftreten, lassen sie sich oft mit einfachen Mitteln erfüllen. Sobald jedoch beispielsweise automatische Datenerfassung, laufende Auswertung und zentrale Verfügbarkeit gemeinsam gefordert werden, verändert sich das technische Anforderungsniveau grundlegend. 

Viele Projekte starten mit pragmatischen Lösungen wie Tabellenkalkulationen, Gerätesoftware oder Cloud-Speichern. Für kleine Datenmengen und überschaubare Projekte ist das sinnvoll. Mit wachsender Projektgröße steigt jedoch der Aufwand exponentiell. Daten müssen manuell zusammengeführt, geprüft und interpretiert werden. Übersicht und Entscheidungssicherheit gehen verloren. 

Der entscheidende Perspektivwechsel besteht darin, Ausschreibungen nicht als Sammlung von Begriffen zu lesen, sondern als Beschreibung eines gewünschten Zustands. Die relevante Frage lautet nicht: Welches Tool erfüllt diesen Begriff? Sondern: Welche technische Infrastruktur ist notwendig, um diese Anforderungen dauerhaft und zuverlässig zu erfüllen? 

Wer Ausschreibungen auf diese Weise liest, erkennt schnell wiederkehrende Muster. Bestimmte Formulierungen sind klare Hinweise darauf, dass eine zentrale Monitoring- und Auswertungsplattform erforderlich ist, weil die geforderte Kombination von Eigenschaften anders nicht realisierbar ist. 

Mehr Fragen als Antworten?

Das Leben ist schon kompliziert genug. Wenn also ein Leistungsverzeichnis mehr Fragen als Antworten aufwirft fragt uns gerne und wir überlegen uns gemeinsam, was die digitalen Mindestanforderungen des Projektes ausmacht, welche Überlegung wohl dahintersteht und wie sie sich in der Praxis möglichst unkompliziert umsetzen lassen. 

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