Digitalisierung ohne Großbudget
Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
Komplex, teuer, weit weg vom eigenen Arbeitsalltag – damit ist Digitalisierung leider auf den ersten Blick für viele Kleinstunternehmen ein Thema, das eher Respekt als Begeisterung auslöst. Und dabei sind es doch genau diese Unternehmen, die es sich nicht leisten können, Kapazitäten für Arbeiten zu verschwenden, die sich automatisieren lassen.
Über diesen spannenden Spagat haben wir mit Dominik Zangerl gesprochen. Er unterstützt seinen Bruder, Oliver Zangerl, Inhaber von Zangerl Seilsicherheit, bei digitalen Themen – und beschreibt sehr offen, wo einfache Lösungen an ihre Grenzen stoßen und warum sich professionelle Software auch für sehr kleine Betriebe rechnen kann.
Zwei Brüder, ein kleiner Betrieb
Und wenig Spielraum für Umwege
Die Ausgangslage ist schnell erklärt. Zangerl Seilsicherheit ist im Kern eine Ein-Mann-Firma, die je nach Projekt mit anderen Kleinunternehmen und Freelancer*innen zusammenarbeitet. Die Projekte – Dienstleistungen im Bereich Forst, Höhenarbeit und Absturzsicherungen – bewegen sich aktuell bei etwa fünf bis zehn pro Jahr. Eine überschaubare Menge, aber trotzdem zeitlich extrem dicht getaktet.
Dominik selbst ist eigentlich hauptberuflich als Digital Solution Architect in einem Großunternehmen tätig. Sein fachlicher Hintergrund liegt in den Erdwissenschaften, ergänzt durch einen Master in Management, Technologie und Ökonomie. Wenn Unterstützung gebraucht wird, hält die Familie aber immer zusammen und Dominik bringt sein Know-how ein. „Die Zeit finde ich meistens am Abend nach der Arbeit. Oder – wie in diesem Fall – in Thailand am Strand. Es gibt schlechtere Orte, um über Digitalisierung nachzudenken.“
Erste Schritte: Excel, Baukasten
Und dann die Grenzen
Digitalisierung war bei Zangerl Seilsicherheit schon länger ein Thema.
„Oliver hat am Anfang ein Excel genutzt – danach hat er sich mit einem App-Baukasten ein Protokoll zusammengebaut, das ehrlicherweise gar nicht so schlecht war. Da geht heute schon echt viel, aber der Spezialtiefbau hat auch extreme Anforderungen, vor allem in punkto Flexibilität. Wenn ich zum Beispiel meine Prozesse auf der Baustelle umstellen muss, weil der aktuelle Ansatz nicht funktioniert. Und da stößt man mit solchen no-code Baukästen relativ schnell an Grenzen.“
Dominik Zangerl
Rückblickend war das aber trotzdem ein sinnvoller erster Schritt, um überhaupt einmal zu verstehen, was eigentlich genau benötigt wird. Es wurde ein Muster sichtbar, das Dominik aus vielen Betrieben kennt: Für den Einstieg funktionieren einfache Tools gut. Sobald Prozesse aber langfristig zuverlässig, skalierbar und stressfrei laufen sollen, reicht das oft nicht mehr.
Gute Werkzeuge dürfen etwas kosten
Was Dominik dabei besonders spannend fand, ist eine Beobachtung aus der Praxis:
„Handwerker respektive Praktiker mit eigenen Firmen setzen eigentlich immer auf sehr gute Werkzeuge. Dieser Leute können es sich nicht leisten, dass ihr Betrieb durch kaputte oder schlechte Tools aufgehalten wird – denn die verfügbare Zeit ist meistens komplett ausgebucht. Das Werkzeug, ob physisch oder digital, darf also durchaus etwas kosten – solange es am Ende auch effektiv Geld spart.“
Dominik Zangerl
Diese Überlegung war auch der Hintergrund für die Gespräche der Brüder rund um SCALES als Werkzeug für Dokumentation und Protokolle. Die Idee stand schon länger im Raum, wirklich konkret wurde sie aber erst, als klar wurde, wie viel Aufwand Protokollierung und Dokumentation im Alltag verursachen.
Mit der Entscheidung, es mit einer professionellen Lösung zu versuchen, kam aber auch direkt ein Berg Bedenken:
Was kostet das? Was kostet eine Implementierung? Wer übernimmt die Implementierung? Was, wenn es nicht funktioniert? Wie funktioniert das Preismodell? Und was, wenn es am Ende nicht funktioniert?
Gerade für Kleinstunternehmer*innen ist nicht nur der Preis ein Thema, sondern auch die Unsicherheit, wie man ein Digitalprojekt überhaupt angeht. Dominik beschreibt das sehr treffend
„Komplexe Unterhaltsarbeiten an der Bahn mit laufendem Betrieb – kein Problem. Aber wenn es darum geht, mit digitalen Werkzeugen tiefgreifende Eingriffe in die eigene Arbeit vorzunehmen, bei denen im Vorfeld nicht immer ganz klar ist, wie genau sie den Arbeitsalltag verändern und sich dabei dann auch noch auf einen neuen Software-Partner einzulassen, braucht das eine gehörige Portion Mut und Zuversicht.“
Dominik Zangerl
Viel Lärm um Nichts?
Naja, nicht nichts. Immerhin steht am Ende eine einfache Lösung für ein mühsames Problem. Aber rückblickend war der Einstieg aber überraschend unspektakulär und die vielen Bedenken (und vielleicht auch die ein oder andere schlaflose Nacht) letztendlich unbegründet. Entscheidend war Vertrauen und offene Kommunikation auf beiden Seiten (Who knew? Scheint tatsächlich sowas wie die universelle Geheimzutat für Beziehungen aller Art zu sein). Oliver vertraute auf Dominiks Erfahrung aus früheren Implementierungen, Dominik wiederum wusste, dass man mit eguana einen Partner hat, mit dem sich Lösungen Schritt für Schritt entwickeln lassen.
„Wir haben uns gemeinsam mit Oliver seine Prozesse angeschaut und festgestellt, dass sie sich gut mit dem decken, wie andere Bohrarbeiten ausführen und Anker erstellen. Das ist gut, denn es ist wichtig, flexibel zu bleiben und das Rad nicht ständig neu zu erfinden.“
Dominik Zangerl
Gemeinsam war schnell eine Lösung gefunden, die Oliver direkt im Alltag testen konnte, um dann die letzten 20% optimal anzupassen und zu verbessern.
An genau dieser Stelle sieht Dominik aber auch einen Stolperstein für vergleichbare Projekte:
„Ich denke oft fehlt diese Person in der Mitte, welche die Bedürfnisse aus der Praxis in technische Anforderungen übersetzt. Dass gewisse Bugs auftreten in der Anfangsphase ist auch normal – aber die Entwickler von eguana beheben die Probleme meist in Rekordtempo. Habe ich so bei einem Softwareentwickler noch nie erlebt.“
Dominik Zangerl
Wir können also nochmal festhalten: offen miteinander reden und sich gegenseitig Vertrauen, dann wird das schon 😉
Und das zeigt sich direkt auch noch bei der konkreten Umsetzung. Auch da stehen Kommunikation und Vertrauen an erster Stelle, so war Dominik eines besonders wichtig: draußen nicht zu viel vorzuschreiben.
„Mir war es eigentlich egal, ob der Polier die Daten direkt am Smartphone eingibt, das Tablet an die Maschine klemmt oder die Werte später am Desktop nachträgt. Am Anfang sind die Bedenken immer etwas größer - bis zu dem Punkt wo die Poliere merken, dass sie ihre eigene Baustelle datenbasiert besser steuern können. Dann macht es "Klick" und sie sorgen selbst dafür, dass alle Daten immer zeitnah vorhanden sind. Man darf die innere Motivation von Mitarbeitern ihren Job gut zu machen auf keinen Fall unterschätzen.“
Dominik Zangerl
Wichtig sei nur, dass die Daten zeitnah erfasst werden – spätestens am Abend, damit sie am nächsten Morgen geprüft werden können. Denn logischerweise gilt, desto früher die Eingabe, desto besser der Informationsfluss. Statt nachzufragen, ob eine kalkulierte Soll-Leistung erreicht wurde, ist der Stand direkt sichtbar. Besonders wichtig, wenn es doch mal Probleme gibt, denn die lassen sich so schneller erkennen und gemeinsam lösen.
„Oliver macht es jetzt immer direkt, während der Bohrarbeiten – wenn man das so hinbekommt, ist das natürlich ideal.“
Dominik Zangerl
Alltag mit SCALES
Eine spürbare Entlastung
Inzwischen nutzt Zangerl Seilsicherheit neben der Eingabe über eguana ADD (Assisted Digital Documentation) vor allem Visualisierungen und Fotodokumentation. Gerade das Fotomodul hat sich im Alltag als unerwarteter „Sieger der Herzen“ erwiesen, „Das ist ein extrem cooles Feature. Man hat einfach alle Informationen an einem Ort.“
Mit wachsender Anzahl an Projekten gewinnen inzwischen auch Kennzahlen an Bedeutung. Schon nach wenigen Projekten lassen sich Trends erkennen, und Auftraggeber*innen können bei Bedarf direkt Zugriff auf Daten erhalten – ohne das mühsame Versenden von Protokollen per Mail.
„Der Aufwand verschiebt sich von der Nachbereitung in die Arbeitsvorbereitung. Und das ist positiv – weil es planbarer ist und sich weniger stressig anfühlt.“
Dominik Zangerl
Warum kaufen fast immer sinnvoller ist als selbst bauen
Nach rund fünf Jahren Erfahrung mit operativen Datenplattformen hat Dominik inzwischen auch ein Gespür dafür, wie das Thema kostenseitig aussieht. „Klar, kann man heute auch etwas „vibe coden“, aber aus meiner Erfahrung ist das weder sicherer noch günstiger. Hat man nicht mehrere Millionen auf der hohen Kante, sollte man gar nicht erst damit beginnen, das selbst zu machen.“ Da spürt man doch schnell, dass eguana inzwischen über zehn Jahre Software und Branchen-Know-How in SCALES gesteckt hat, sowas kann man nicht auf die Schnelle nachbauen. Für die meisten Firmen mache es deshalb keinen Sinn, solche Lösungen selbst zu entwickeln – und wozu auch, wenn am Markt bereits einestarke und flexible Plattform verfügbar ist.
„Klar hat eguana SCALES mit ADD seinen Preis, aber wer ehrlich rechnet merkt schnell, dass der generierte Wert weit über den Kosten liegt. Ein ROI mit einem Faktor von drei bis fünf ist realistisch – und das können wir auch für Kleinstfirmen bestätigen.“
Dominik Zangerl
Und jetzt kommt der strategische Faktor. Mit eguana als Zulieferer hat sich Zangerl Seilsicherheit abgesichert für die Zukunft.
Digitalisierung als strategische Absicherung
Neben Effizienz geht es für Zangerl Seilsicherheit vor allem um Zukunftssicherheit. Niemand erwartet, dass ein KMU zum Digitalisierungsvorreiter der Branche wird.
„Aber wir haben dafür gesorgt, dass wir in Zukunft nicht abgehängt werden.“
Dominik Zangerl
Mit eguana als Partner im Hintergrund bleibt der Betrieb flexibel – egal ob es um Schnittstellen, neue Messwerte oder erweiterte Anwendungsfälle geht. Das Wissen, dass solche Themen lösbar sind, entlastet enorm. Und für Oliver bleibt Freiraum und Fokus, um sich auf seine eigentlichen Stärken zu fokussieren.
Fazit:
Klein anfangen, richtig entscheiden
Der Erfahrungsbericht zeigt sehr deutlich: Digitalisierung muss kein Großprojekt sein. Auch ohne riesige Budgets lassen sich sinnvolle Schritte setzen – wenn man bereit ist, auf professionelle Werkzeuge zu setzen und nicht alles selbst bauen zu wollen.
Oder, wie Dominik es zusammenfasst:
„Es geht nicht darum, alles selbst zu können. Es geht darum, die richtigen Werkzeuge zu haben – und den richtigen Partner im Hintergrund.“
Dominik Zangerl
Im Blog zu Gast: Dominik Zangerl
Dominik Zangerl ist ausgebildeter Erdwissenschaftler mit Vertiefung in Ingenieurgeologie und hat seine ersten beruflichen Erfahrungen in der Bauausführung im Spezialtiefbau gesammelt – dort, wo Entscheidungen zählen und Prozesse funktionieren müssen.
Seit rund fünf Jahren beschäftigt er sich intensiv mit datengetriebenen digitalen Plattformen und deren Einfluss auf operative Abläufe. Unterschiedlichste Branchenlösungen hat er dabei nicht theoretisch bewertet, sondern im echten Betrieb getestet.
Digitalisierung ist für ihn kein Trend, sondern Werkzeug. Und gutes Werkzeug muss – wie auf der Baustelle – zuverlässig sein und wirtschaftlich Sinn machen.
Fun Fact: es gibt Dominik doppelt – der andere Dominik Zangerl arbeitet als „Chef Patissier“. Ob wir da auch mal ein gemeinsames Projekt finden?

Beim Werkzeug spart man nicht!
Komplex, teuer, weit weg vom eigenen Arbeitsalltag – damit ist Digitalisierung leider auf den ersten Blick für viele Kleinstunternehmen ein Thema, das eher Respekt als Begeisterung auslöst. Und dabei sind es doch genau diese Unternehmen, die es sich nicht leisten können, Kapazitäten für Arbeiten zu verschwenden, die sich automatisieren lassen.

VON DATENTRÄUMEN UND WIRKLICHKEIT
Viele Leistungsverzeichnisse verlangen digitale Systeme für Auswertung, Monitoring und Dokumentation. Wir zeigen, wie man erkennt, was wirklich gemeint ist – und welche Lösung die passende ist.

VON EXCEL BIS PLATTFORM – WARUM SKALIERBARKEIT IM BAUDATENMANAGEMENT ENTSCHEIDEND IST
Skalierbares Datenmanagement im Bauwesen – von einfachen Excel-Tabellen bis zu professionellen Plattformlösungen. Warum Projektgröße entscheidend ist und wie eguana SCALES mitwächst, wenn dein Projekt es auch tut. Jetzt mehr erfahren.

Biotop am Netz
Wie lässt sich Architektur so gestalten, dass sie das Klima aktiv unterstützt – und dabei bestehende Strukturen nicht ersetzt, sondern sinnvoll weiter nutzt? Diese Frage hat unseren Mitarbeiter Philipp Eder im Laufe seiner Architektur-Bachelorarbeit beschäftigt. Wenn er nicht gerade bei uns in der Projektbetreuung arbeitet oder an neuen Features für SCALES tüftelt, studiert Philipp nämlich Architektur.

Und täglich grüsst der Datendschungel
Fünf Stationen, sechs Partnerunternehmen – unser Workshop beim Geomechanik-Kolloquium war eher Daten-Speed-Dating als Frontalvortrag. Statt PowerPoint gab’s Praxis. Statt Sitzreihen: kleine Gruppen, die von Station zu Station wechselten. Überall konnte ausprobiert, gefragt und diskutiert werden – mit echten Geräten, echten Daten und echten Herausforderungen.

Das Auge denkt mit
Wir sind überzeugt: Gute Visualisierung ist kein nettes Extra. Sondern ein Schlüssel zum besseren Bauen. Sie macht Informationen sichtbar, reduziert Missverständnisse, ermöglicht fundierte Entscheidungen auf leicht verständlichen und greifbaren Grundlagen– und hilft dabei, Projekte sicherer, effizienter und transparenter zu steuern.