Daten-Speed-Dating
Der eguana Workshop
Ein Gong ertönt. Gespräche brechen mitten im Satz ab. Ein kurzer Blick, ein Lächeln – und schon steht man einer neuen Person gegenüber. Zwei Minuten Zeit, um das Gegenüber kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, die richtigen Fragen zu stellen.
Wer hier an Speed-Dating denkt, liegt nicht ganz falsch. Nur dass es in unserem Fall nicht um Herzklopfen und Lebenspläne geht, sondern um Messdaten, Baugruben und digitale Werkzeuge.
Warum dieser Zugang? „Weil man in der Praxis auch nicht allein arbeitet“, meint Workshop-Leiter und eguana Geschäftsführer Philipp Maroschek. „Wenn wir über Datennutzung sprechen, betrifft das nie nur ein Unternehmen oder ein Gewerk – es braucht das Zusammenspiel.“ Genau deshalb war für ihn von Anfang an klar, dass es kein eguana-Solo-Workshop wird. „Wir wollten zeigen, wie viel mehr möglich ist, wenn verschiedene Blickwinkel zusammenkommen. Und das geht nur, wenn wir die Leute aus der Praxis mit reinholen, die mit diesen Themen jeden Tag zu tun haben.“
An den Stationen wurde sichtbar, was Daten alles leisten können – wenn sie richtig erfasst, interpretiert und weitergegeben werden. Von der Injektion über die Vermessung bis hin zur Wasserhaltung konnten sich die Teilnehmer*innen ein Bild machen, wo Daten entstehen, welche Entscheidungen sie beeinflussen – und wo es manchmal hakt.
Wer weiß was?
Von einzelnen Messdaten bis zur komplexen Analyse der gesamten Baustelle – unsere Stationen hatten für jede*n etwas zu bieten:
Warum messen wir überhaupt?
Vom Sensor zur
3D-Bohrvisualisierung
TBM-Vortrieb verstehen mit Code
Von Insellösungen zur integrierten Plattform
Später ist es oft zu spät
Technisch ist in der Geotechnik heute vieles möglich: Sensorik, Analyse, Visualisierung – das Handwerkszeug ist da. Was oft fehlt, ist das gemeinsame Verständnis darüber, was es gibt und wie die einzelnen Komponenten ineinandergreifen können.
„Das, was mir beim Workshop am deutlichsten geworden ist, ist nicht die Frage ‚Was ist technisch möglich?‘ – sondern ‚Wer weiß eigentlich davon?‘“
Philipp Maroschek
Denn die größten Hürden entstehen nicht am Bau, sondern viel früher
– bei der Ausschreibung.
Viele Auftraggeber*innen und Planer*innen wissen schlicht nicht, welche Daten bereits wie erfasst und verwertet werden können, wie wertvoll gute Analysewerkzeuge sind und welchen Unterschied Visualisierung oder automatisierte Auswertung für Qualität, Sicherheit und Vertragsmanagement machen können. Folge: Es wird zu wenig ausgeschrieben, zu unkonkret, oder Datenmanagement bleibt ganz außen vor. Ausführende Firmen wiederum können oft schwer etwas anbieten, was nicht gefordert wird – zu groß wäre das Risiko, im Preisvergleich unterzugehen.
Später nachzuziehen ist möglich, aber schwierig: Systeme müssen umgestellt, Daten nachträglich aufbereitet, Schnittstellen geschaffen werden. Viel Aufwand, wenig Struktur.
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Workshop:
Wenn Auftraggeber*innen und Planer*innen rechtzeitig wissen, was möglich ist, können sie besser definieren, was sie eigentlich brauchen, und das verändert alles.
Dann kann Digitalisierung nicht mehr nur helfen, zu dokumentieren, sondern unterstützen, die Baustelle aktiv zu steuern. Man wird vom Zuseher zum Fahrer und und Daten sind nicht mehr nur Pflicht – sondern echter Mehrwert.
„Was wir brauchen, ist ein rechtzeitiges, kooperatives Miteinander. Wir reden viel über Digitalisierung – aber zu selten darüber, wie sie sinnvoll durchgängig umgesetzt werden kann. Wenn wir es schaffen, diese Gespräche früher zu führen, dann profitieren alle: Auftraggeber*innen, Ausführende, Planung – und am Ende das ganze Projekt.“
Philipp Maroschek
Für uns war der Workshop ein Erfolg – und das lag nicht nur an den durchwegs positiven Rückmeldungen. Viele Teilnehmer*innen haben sich im Anschluss noch Zeit genommen, um weiter zu diskutieren, Fragen zu stellen und sich mit anderen auszutauschen. Genau das zeigt uns: Das Interesse ist da. Und auch der Wunsch nach mehr – mehr Zeit, mehr Tiefe, mehr gemeinsames Verständnis.
Und jetzt?
Die Rückmeldungen bestärken uns in unserem Zugang: Interdisziplinärer Austausch ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.
Wenn Daten nicht als Nebenprodukt, sondern als strategisches Werkzeug verstanden werden sollen, braucht es Formate, die über klassische Vorträge hinausgehen – und Menschen, die bereit sind, offen miteinander zu denken. Das Potenzial ist groß – und das Interesse ebenso.